Kolumbien: Wenn Träume zu Unternehmen werden – Begleitet auf dem Weg in die Selbstständigkeit

In Soacha, einer Gemeinde an der Peripherie von Bogotá, leben viele Migrantinnen und Migranten aus Venezuela. Sie bringen bemerkenswerte Kreativität und brachliegende Fähigkeiten mit. Unser Partner, der Jesuiten-Flücht­lings­dienst (JRS), steht ihnen dabei zur Seite, diese zu entfalten und eigene Kleinunternehmen aufzubauen.

Kolumbien: Emprendiendo Sueños

Ort:
Soacha, Kolumbien

Partner:
Jesuiten-Flüchtlingsdienst JRS Projektverantwortliche: Laura Villegas

Zielgruppe:

Venezolanische Migrantinnen und Migranten bekommen Hilfe beim Aufbau einer eigenständigen Existenz. Das Projekt unterstützt sie dabei, ein kleines Unternehmen zu gründen und so langfristig auf eigenen Beinen zu stehen.

So hilft Ihre Spende:

RS Kolumbien setzt sich in Soacha mit 5 Mitarbeitenden für Menschen ein, die eine neue Perspektive suchen. Jährlich begleiten sie 43 Personen auf dem Weg in eine eigenständige Zukunft. Mit einem durchschnittlichen Jahresbeitrag von CHF 30’000 unterstützen wir JRS Kolumbien bereits seit 2013. Seit einem Jahr fördern wir gezielt das Programm für venezolanische Migrantinnen und Migranten: Im laufenden Jahr konnten 250 Personen erreicht werden, davon 60 Prozent Frauen.

Auf dem Weg in die Selbständigkeit: Soacha und das Projekt «Emprendiendo Sueños»

Seit über zehn Jahren verlassen Menschen Venezuela auf der Suche nach Sicherheit und einer besseren Zukunft. Weltweit sind 7,9 Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner auf der Flucht. Die Venezuelakrise ist damit eine der grössten internationalen Flüchtlingskrisen. Kolumbien hat mit 2,9 Millionen Menschen den grössten Teil der rund 6,5 Millionen Geflüchteten in Latein­amerika aufgenommen. Viele von ihnen leben heute in Soacha, einer Gemeinde am Rand von Bogotá, die in Kolumbien den zwölften Platz unter den Gemeinden mit dem höchsten Anteil an venezolanischen Geflüchteten belegt.

Die Stadt kämpft mit grossen Herausforderungen: unkontrolliertes Bevölkerungswachstum, mangelnde Infrastruktur und Gewalt prägen den Alltag. Mehr als 63 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner arbeiten ohne Vertrag und Absicherung, also im informellen Sektor. Besonders Migrantinnen und Migranten haben kaum Zugang zu einer stabilen Wohnsituation, einem geregelten Einkommen oder ausreichender Nahrungsversorgung. Diese Menschen möchten ihre Zukunft aktiv gestalten, und viele von ihnen haben bereits eine konkrete Geschäftsidee. Mit dem Projekt «Emprendiendo Sueños» begleitet JRS Kolumbien sie dabei, diese Ideen in die Tat umzusetzen: Die Teilnehmenden erhalten Schulungen in Unternehmensführung, lernen einen Businessplan zu erstellen, werden bei der Vermarktung ihrer Produkte unterstützt und können ein Startkapital erhalten, um ihr kleines Unternehmen aufzubauen. Schritt für Schritt, gemeinsam.

Gemeinsam Perspektiven schaffen

Mit dem Projekt «Emprendiendo Sueños» begleitet der Jesuiten-Flücht­lings­dienst (JRS) Kolumbien venezolanische Migrantinnen und Migranten, intern Vertriebene und besonders vulnerable Einheimische in Soacha dabei, wirtschaftlich auf eigenen Beinen zu stehen. Rund 60 Prozent der Teilnehmenden sind Geflüchtete oder Vertriebene, 40 Prozent stammen aus der lokalen Bevölkerung.

Im Zentrum steht die Begleitung von Menschen, die eine eigene Geschäftsidee verwirklichen möchten. Was sie im Programm finden, ist konkrete und individuelle Unter­stützung: Schulungen in Unternehmensführung, Begleitung bei der Ausarbeitung eines Businessplans und nach erfolgreichem Abschluss ein Startkapital. Durch individuelles Coaching und gezielte Vermarktungsmöglichkeiten werden sie auch nach dem Start weiterbegleitet. Wer hingegen eine Anstellung im formellen Arbeitsmarkt sucht, erhält Zugang zu Weiterbildungen sowie praktische Unter­stützung beim Berufseinstieg.

Viele Teilnehmende kämpfen gleichzeitig mit unsicherem Aufenthaltsstatus oder fehlendem Zugang zu staatlichen Dienstleistungen. Deshalb ergänzen juristische Beratung und psychosoziale Begleitung das Angebot. Die Zahlen sprechen für sich: Seit 2022 haben 850 Personen vom Programm profitiert, und 91 Prozent der begleiteten Unternehmerinnen und Unternehmer konnten ihr Einkommen verbessern. Einer von ihnen ist Carlos.

Carlos’ Weg zur eigenen Schreinerei

Carlos kam 2018 als 14-jähriger Flüchtling aus Venezuela nach Kolumbien. Seine Familie hatte ihre Heimat verlassen, weil es an den grundlegendsten Dingen fehlte: «Es fehlte an allem. Und oft gab es schlicht nichts mehr zu essen.» In Soacha angekommen, musste Carlos früh Verantwortung übernehmen und zum Lebensunterhalt der Familie beitragen.

Zunächst arbeitete er in einem Coiffeursalon. Dort lernte er einen erfahrenen Schreiner kennen, der sein Mentor wurde und ihm das Handwerk beibrachte. Mit der Zeit entdeckte Carlos seine Leidenschaft für die Arbeit mit Holz und wagte schliesslich den Schritt in die Selbstständigkeit. Doch wie viele junge Unternehmerinnen und Unternehmer stellte er fest, dass handwerkliches Können allein nicht ausreicht. Kunden gewinnen, Kosten kalkulieren, Material beschaffen oder die Finanzen eines Betriebs führen: all dies musste er erst lernen.

Über das Projekt «Emprendiendo Sueños» erhielt Carlos die Möglichkeit, sich genau diese Kenntnisse anzueignen. In den Kursen lernte er, seine Werkstatt als Unternehmen weiterzuentwickeln, seine Angebote gezielt zu vermarkten und seine Geschäftsidee langfristig zu planen. Besonders wertvoll waren für ihn die praxisnahe Begleitung sowie der Austausch mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern, die vor ähnlichen Herausforderungen standen.

Heute führt Carlos seine eigene Schreinerei und blickt mit Zuversicht in die Zukunft.

Ein Leben in Würde

Prozesse wie den von Carlos zu begleiten heisst, Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und dabei vieles verloren haben, als das zu sehen, was sie sind: Menschen mit Fähigkeiten, Ideen und dem Willen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Das Projekt des JRS in Soacha setzt auf die Stärken und die Eigeninitiative der Teilnehmenden und begleitet sie dabei, diese gezielt einzusetzen. Es folgt der Einsicht, dass Menschen nur dann weiterkommen, wenn ihre Persönlichkeit erkannt und sie als Individuen gestärkt und begleitet werden. Es geht darum, an ihrer Seite zu gehen, nicht den Weg für sie zu gehen.

Dabei leistet der JRS nicht nur etwas für jene, die das Programm durchlaufen, sondern auch für das Zusammenleben zwischen Geflüchteten und Einheimischen, denn auch diese erhalten Unter­stützung.

Wenn es einem Menschen gelingt, seinen Beruf zu einem Lebensprojekt zu machen, werden noch andere Prozesse angestossen: Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit wachsen, der Horizont erweitert sich. Das sind die Grundlagen für gastfreundlichere Gemeinschaften, lebendigere lokale Wirtschaftssysteme und eine Zukunft, die nicht auf vorübergehender Hilfe, sondern auf Vertrauen, Arbeit und Hoffnung aufbaut. Geschichten wie die von Carlos erinnern daran, dass jedes kleine Unternehmen eine Chance bedeutet, das Leben in Würde neu aufzubauen.

Wir laden Sie ein, uns zusammen mit dem Jesuiten-Flücht­lings­dienst Kolumbien auf diesem Weg zu begleiten.

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